Deutschland durch die Blume

Antisemitismus und Islam

Von Mirjam Lübke

Es sind zwei Meldungen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben – nur wenn man genauer hinschaut, ergibt sich eine für Deutschland typische Verbindung: Die eine handelt davon, dass der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte Michael Blume auf der aktuellen „Antisemiten-Liste“ des Wiesenthal-Zentrums geführt wird. Die andere betrifft eine aktuelle Studie, der zufolge 90 Prozent der befragten Schulen in Berlin-Neukölln über regelmäßige Zwischenfälle religiös motivierten Mobbings und Unterdrückung von Mädchen klagen – weshalb Grüne und Linke in Berlin die Untersuchung nun als „antimuslimisch” rügen.

Während man sich hierzulande gern einredet, Antisemitismus käme ausschließlich von „rechts“, sieht man das im Ausland etwas anders. Normalerweise ist die Platzierung in einer Top-Ten-Liste ja eine feine Sache – doch wenn es sich bei dieser Liste um jene des Simon-Wiesenthal-Centers handelt, welche seit 2010 die schlimmsten Antisemiten „kürt“, besteht wenig Grund zur Freude: Deutschland belegt darin in diesem Jahr den siebten Platz.
Die Presse hält sich bedeckt, ebenso die Politik. Warum nur – um Himmels Willen – ruft niemand nach einem groß angelegten Aktionsplan? Nach noch mehr Millionen zum „Kampf gegen Rechts”? Ganz einfach (und das ist wiederum ein Anlass für ein wenig Schadenfreude, wie ich bekennen muss): Der Grund dafür ist das, was auf der „Achse des Guten” einmal als als „Bistro-Antisemitismus” bezeichnet wurde. Selbiger tarnt sich nämlich gerne durch die Teilnahme an in Deutschland üblichen Gedenkritualen für tote Juden, um anschließend umso heftiger auf lebendige eindreschen zu können. Es ist kompliziert: Man gibt vor, „etwas gelernt“ zu haben und erfüllt so die in Deutschland erwarteten gesellschaftlichen Standards, die einen für die Aufnahme in den Kreis der „Guten“ qualifizieren. Von nun an darf man sich unter Berufung auf das „Gelernte“ Juden gegenüber wie die Axt im Wald benehmen – wenn man einen wie auch immer gearteten Israel-Bezug herstellen kann.

Genialer Coup

Den Einzug in die Top Ten haben wir in diesem Jahr zum einem dem Antisemitismusbeauftragten Baden-Württembergs, Michael Blume, zu verdanken; zum anderen der stets um Multikulturalismus bemühten „Deutschen Welle”: Beide stolpern gern über die eigenen toleranten Füße, wenn sie sich im Spannungsfeld zwischen Juden und Muslimen bewegen. Schließlich hat man sich in den vergangenen Jahren alle Mühe gegeben, letztere zu den legitimen Nachfolgern der Juden in Sachen Diskriminierung zu erklären – was in diesem Falle natürlich keine Relativierung des Nationalsozialismus bedeutet. Angesichts der Begeisterung für Hitler und das Dritte Reich in weiten Teilen der arabischen Welt kann man das schon fast als einen genialen Coup bezeichnen – denn wer würde es schon wagen, die von links legitimierten Nachfolger der einstigen Opfer als Antisemiten zu bezeichnen?

Daher darf Michael Blume auch ohne Ärger zu bekommen Beiträge in den sozialen Medien gutheißen, welche Israel mit dem Nationalsozialismus gleichsetzen, und darüber hinaus seine Hand über BDS-nahe Vereinigungen halten. Und arabische Moderatoren der „Deutschen Welle“ dürfen den Holocaust leugnen; Kritik daran wäre schließlich „islamophob“. Für Blume fand sich dann – auch das ist in Deutschland üblich – sogleich eine jüdische Leumundszeugin, Barbara Traub, die Sprecherin der israelitischen Kultusgemeinden des Landes. Wenn man nur dem richtigen politischen Club angehört, darf man, wie damals auch Günter Grass, jederzeit auf Freispruch hoffen. Selbst wenn man – wie beide Herren – gerne einmal ein Äuglein zudrückt, sobald aus dem Iran wüste Drohungen gegen Israel ausgestoßen werden. Da bleibt der Elefant im Raum gern unentdeckt.
Empörungswelle garantiert!

Die Angst davor, als „antimuslimisch“ oder „islamophob“ bezeichnet zu werden, betrifft schließlich nicht nur den Umgang mit Antisemitismus, sondern auch andere Bereiche des öffentlichen Lebens. Ob Chaos an Schulen, Unterdrückung von Mädchen oder restriktiver Umgang mit „Ungläubigen“ oder „nicht ganz so Frommen“ – nichts davon kann thematisiert werden, ohne dass eine Empörungswelle losbricht. Auch hier geht die „Vergangenheitsbewältigung“ linker Intellektueller verhängnisvoll nach hinten los: Indem jahrelang mit einigem Erfolg „nachgewiesen“ wurde, dass jegliche Kritik am Islam und seinen Regeln ungefähr das Gleiche sei wie Antisemitismus, verfestigte sich diese Vorstellung auch in der Öffentlichkeit. Nur haben wir es hier nicht mit frei erfundenen Brunnenvergiftungen zu tun, wie sie Juden immer wieder angelastet werden – heute in etwas „modernisierter“ Form -, sondern mit realen, nachweisbaren Zwischenfällen an Schulen und in Familien.

Was man dem „klassischen“ Stammtisch-Antisemitismus vorwerfen kann ist, dass er dieses Spiel nicht durchschaut und mit dem muslimischen Antisemitismus insoweit konform geht, dass er noch immer glaubt, Juden hätten „die Macht in Deutschland“ – etwa weil es die allgegenwärtige Gedenkkultur gibt. Diese verleiht aber gerade nicht den Juden Macht, sondern ihren Gegnern. Leider lassen sich noch zu viele von uns zu Statisten machen. Wenigstens das sollten wir aus der Ära Merkel gelernt haben.

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