Wunsch und Wirklichkeit

Wahrheit und Klarheit von „Sonntagsfragen“ zu bevorstehenden Wahlen

Wie das Orakel von Delphi füllen regelmäßig sogenannte „aktuelle Umfragen“  die Zeitungsspalten – nicht selten in der Absicht, Einfluß auf die Stimmabgabe der Wähler zu nehmen.

Durchaus glaubhaft ist die Behauptung der beauftragten Lieferanten, daß solche Umfrageergebnisse nichts mit Wahrsagerei oder den Blick in die Glasdkugel zu tun hätte.
Ob sich die Ergebnisse aber stattdessen wirklich auf wissenschaftlich untermauerte Methoden stützen können, wie die Institute vorgeben, bedarf auch einer kritischen Einordnung.
Deshalb empfiehlt es sich schon, genauer hinzusehen, was da dem „geneigten Leser“ vorgesetzt oder gar untergejubelt wird.

So jubeln die jüngsten Orakel der Meinungsindustrie auch diesmal wieder zu den kommenden Landtagswahlen in Baden-Württemberg das politische Establishment hoch und das bei der zumeist links und grün angehauchten Journaille die ungeliebte, aber einzige relevante Oppositionspartei im Landtag schön herunter.

Übung hatte man darin zwar schon zu früheren Zeiten, doch zunehmend rücken die sich nicht länger für dumm verkaufen lassenden Wähler die Dinge am Wahltag wieder zurecht.
Vergleicht man die veröffentlichten Umfragewerte mit den tatsächlichen Ergebnissen, so wird das in vollem Umfang bestätigt.
Hier die jüngsten Umfragewerte, darunter die Werte derselben Institute aus dem Jahr der letzten Landtagswahl 2016, davon einmal die letzten Werte unmittelbar vor der Wahl und jeweils darunter etwa von gleichen Zeitraum vor der Wahl:

Institut Auftragg. Datum CDU SPD GRÜNE FDP LINKE AfD Sonstige
INSA BILD 13.02.21 28% 11% 31% 10% 4% 11% 5%
Forschungsgr.
Wahlen
ZDF 05.02.21 28% 10% 34% 9% 3% 11% 5%
Infratest
dimap
SWR,
Stuttgarter Zeitung
04.02.21 27% 11% 34% 9% 3% 10% 6%
Landtagswahl 13.3.2016 Ergebnis: 27% 12,7% 30,3% 8,3% 2,9% 15,1% 3,7%
Differenz: -2% -1,3% -1,7% +2,3% -1,1% +4,1%
-0,3%
Forschungsgr.
Wahlen
ZDF 10.03.16 29% 14% 32% 6% 4% 11% 4%
ZDF 04.03.16 30% 13% 32% 7% 4% 11% 3%
INSA BILD 07.03.16 29% 13% 34% 6% 3% 13% 4%
BILD 22.02.16 30% 16% 31% 7% 3% 10% 4%
Infratest
dimap
ARD 03.03.16 28% 13% 32% 8% 4% 13% 2%
SWR,
Stuttgarter Zeitung
18.02.16 31% 14% 28% 8% 4% 12% 3%

Außen vor bleibt das in Baden-Württemberg am Bodensee ansässige „Institut für Demoskopie Allensbach“, dessen Arbeitsweise an das Zitat Winston Churchills erinnert:
„Ich glaube keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe“.
Daß es gar Fälschungen von Umfragen gibt, dafür gibt es zahlreiche Beispiele.

Just zu den bekanntesten zählen die zur Wahlbeeinflussung veröffentlichen „Umfrageergebnisse“ zur Landtagswahl 1992 und 1996 des „Instituts für Demoskopie Allensbach“.

Laut Wikipedie gilt dieses Institut als dem konservativen politischen Spektrum zugehörig, Wikipedia weiter darüber:

Für öffentliche Kritik sorgten Umfragen zu den Landtagswahlen in Baden-Württemberg 1992 und 1996, bei denen das Institut die Werte der Partei Die Republikaner viel zu niedrig ansetzte. Allensbach prognostizierte 4,5 bzw. 4 Prozent Stimmenanteil.
Die tatsächlichen Wahlergebnisse der Republikaner lagen jedoch bei 10,9 und 9,1 Prozent. In einem Interview zu den Vorfällen sagte Renate Köcher sinngemäß, sie habe aufgrund steigender Werte in den Umfragen ein höheres Ergebnis erwartet.
Man habe aber zu dem Zeitpunkt nicht sicher wissen können, ob dieser Trend verlässlich sei und sich deshalb entschlossen, nur mit den Rohdaten (4,5 Prozent) an die Öffentlichkeit zu gehen.
Ein anderes Vorgehen wäre im Nachhinein als Versuch ausgelegt worden, die Republikaner hochzureden. Dieses Vorgehen stieß in Publizistik und Wissenschaft auf Kritik.
In einem Interview mit dem SWF entgegnete Köcher: „Wir wollten nicht durch die Veröffentlichung der Umfragedaten vor der Wahl eine Sensation schaffen in dem Sinne, daß dann jeder nur noch über die Republikaner gesprochen hätte.“

Kurz vor der Bundestagswahl 2013 behauptete Bernd Lucke, einer der damaligen Sprecher der Alternative für Deutschland (AfD), in einem Interview mit dem Handelsblatt, dass Allensbach Rohdaten vorlägen, die die AfD bei deutlich über fünf Prozent sähen.
Renate Köcher wies die Vorwürfe zurück und antwortete, dass die AfD bei den Rohzahlen noch nie annähernd bei fünf Prozent gewesen wäre.
Das Meinungsforschungsinstitut Forsa, dem Lucke denselben Vorwurf machte, erwirkte daraufhin am 17. September 2013 vor dem Landgericht Köln eine einstweilige Verfügung gegen Lucke, in deren Rahmen diesem unter Androhung eines Ordnungsgeldes von bis zu 250.000 Euro verboten wurde, seine Aussage zu wiederholen.
Auch die Nähe zwischen Elisabeth Noelle-Neumann und Helmut Kohl führte zu negativen Kritiken.
Hans Magnus Enzensberger bezeichnete 1965 das Institut als Orakel vom Bodensee, da er eine „strukturelle Ähnlichkeit mit den mantischen Praktiken der Alten Welt“ sah.
„Demoskopische Befragungen werden im Allgemeinen in Auftrag gegeben: Der Unwissende bringt den Priestern von Allensbach seine Opfergaben dar und stellt seine Fragen. Die Pythia antwortet nicht auf eigene Faust,
sie gibt die Fragen an eine höhere Instanz weiter, an die Stimme Gottes, die im Jargon der Demoskopen „repräsentativer Querschnitt“ heißt.“
In der Tat hat Noelle-Neumann die Bedeutung der Intuition auch in der Wissenschaft nie gering
geschätzt.
Noelle-Neumann hat sich in der Folge auch als Pythia in Delphi für die FAZ-Anzeigenkampagne „Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“ fotografieren lassen.

Im Juli 2015 fälschte die ARD eineUmfrage zur Flüchtlingsaufnahme in das politisch korrekt passende Ergebnis um. Umfragefälschungen und ggf. damit verbundene Einflußnahme auf Wahlen mit dem Ziel, daß der Wähler jene Parteien nicht wählt, die so dargestellt angeblich“sowieso keinen Erfolg“ haben und auch dazu animieren, dann gleich der Wahl fernzubleiben, sind jedoch kein Straftatbestand.

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