Erinnerung an 70 Jahre Menschenrechte – Festvortrag von Dr. Aleida Assmann im Stadtpalais

Stuttgart. „Es sind die Menschenrechte, die unsere Gesellschaft als überparteiliche Klammer zusammenhalten“. Das betont Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne) in ihrem Grußwort anlässlich der Abschlussveranstaltung der Stuttgarter Aktion „Vielfalt – 0711 für Menschenrechte“, die an die Bedeutung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte genau vor 70 Jahren in Paris erinnert. Festrednerin an diesem Montagabend, 10. Dezember 2018, ist die mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnete Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Dr. Aleida Assmann, deren Grundgedanken des „kulturellen Gedächtnisses“ Aras in ihrer Rede aufgegriffen hat.

Die deutsche Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte gilt vielen als Errungenschaft. Doch Erinnerungskultur sei auch eine Frage der Vermittlung, so die Landtagspräsidentin. „Was ist, wenn Menschen zu uns kommen, die unser kollektives Erinnern gar nicht teilen“, warf Aras auf. Die Antwort darauf sei in unserem Grundgesetz zu finden. „Unsere Verfassung entstand als historische Antwort auf das Unrecht und die Grausamkeiten des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs“, betonte die Landtagspräsidentin. Doch es sei zugleich auch Einladung: „Den Menschen, die zu uns kommen, bietet es Anschluss und Orientierung, weil es universelle Grundwerte enthält, die schon in den unterschiedlichsten Kulturen ein friedliches Miteinander ermöglichten“, so Muhterem Aras. Wer sich an den Grundpfeilern der Menschenrechte orientiere, werde in jeder pluralistischen und demokratischen Gesellschaft gut zurechtkommen.

Landtagspräsidentin Aras bezog sich noch einmal auf eine Aussage von Aleida Assmann: „Menschenrechte sind ohne Menschenpflichten nicht zu haben.“ Das fordere von jedem Einzelnen und auch von der Gesellschaft Haltung, Mitmenschlichkeit und Zivilcourage.

Mit Nadia Murad stand am Abend auch die frisch ausgezeichnete Friedensnobelpreisträgerin im Fokus. Murad besuchte im Dezember 2016 den Landtag von Baden-Württemberg und hielt eine berührende Rede im Plenarsaal. „Nadia Murad hat sich nicht brechen lassen, sondern als junge Überlebende die Stimme erhoben, um gegen Gewalt, Menschenhandel und Völkermord zu protestieren“, zeigte sich Landtagspräsidentin Aras beeindruckt. „Ich freue mich sehr darüber, dass ihr Einsatz mit dem Friedensnobelpreis so eine große Würdigung erfahren hat.“

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