Vorsitzende Lösch: Umsetzung der Leitperspektive „Umgang mit Vielfalt“ braucht mehr Unterstützung

Stuttgart – Der Bildungsausschuss hat sich in seiner Sitzung am 18. Oktober 2018 mit der Umsetzung der Leitperspektive „Bildung für Toleranz und Akzeptanz“ (BTV) befasst. „Schule als Ort der Weltoffenheit soll es jungen Menschen ermöglichen, die eigene Identität zu finden und sich frei und ohne Angst vor Diskriminierung zu artikulieren“, zitiert die Vorsitzende Brigitte Lösch (Grüne) ein zentrales Anliegen moderner Bildungspolitik. „Schwul“ sei nach wie vor eines der am häufigsten verwendeten Schimpfwörter an Schulen, abwertende sexualisierte Sprache ein häufiges Phänomen, so Lösch. Die Lehrkräfte dürften mit dieser Herausforderung nicht allein gelassen werden. Das Kultusministerium habe zugesagt, dem Ausschuss mehr detaillierte Informationen über die Nutzung externer Aufklärungsprojekte zukommen zu lassen und in den Raum gestellt, zu deren Umsetzung mehr finanzielle Mittel bereitzustellen, berichtete die Vorsitzende.

Seit dem Schuljahr 2016/17 gelten neue Bildungspläne an baden-württembergischen Schulen. Darin enthalten sind sechs „Leitperspektiven“ – eine davon ist die Leitperspektive „Bildung für Toleranz und Akzeptanz“ (BTV). Im Bildungsplan ist diese verankert durch konkretisierende Begriffe: „Personale und geschlechtliche Vielfalt, wertorientiertes Handeln, Selbstfindung und Akzeptanz anderer Lebensformen, Formen von Vorurteilen und Klischees, Toleranz, Solidarität, Inklusion und Antidiskriminierung.“ Diese hätten laut Kultusministerium Eingang gefunden in alle Bausteine der Fortbildungen von Fachberaterinnen und Fachberatern. Eine Online-Fortbildung biete Ideen und Umsetzungsbeispiele, ebenso Materialien und modellhafte Anschauungsbeispiele. Es gebe das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, eine Handreichung „Umgang mit LSBTIQ in der Schule“ für die Schulpsychologinnen und Schulpsychologen sei in Arbeit. Dem Ziel eines konstruktiven Umgangs mit gesellschaftlicher Vielfalt sei die Lehrkräftefortbildung grundsätzlich verpflichtet, so das Kultusministerium in der Antwort auf eine Anfrage. Ob konkret in diesem Bereich nachjustiert werden müsse, könne man noch nicht sagen.

Zwei Jahre nach Inkrafttreten der neuen Bildungspläne sei der Umsetzungsstand der Leitperspektive BTV aus Sicht des Ausschusses noch ausbaufähig, sagte Lösch nach der Sitzung. Die Gewerkschaft GEW habe bereits im Mai 2017 eine Handreichung für den Unterricht “Lesbisch, schwul, trans, hetero — Lebensweisen als Thema für die Schule“ vorgelegt. Seit 2014 seien zudem zahlreiche einschlägige Studien und Umfragen die Lebenssituation (Schule und Ausbildung) von LSBTIQ-Menschen in Baden-Württemberg publiziert worden: Das Forschungsinstitut tifs in Tübingen legte 2015 mit der Ev. Hochschule Ludwigsburg eine Studie zur Verbesserung der Angebote der Jugendarbeit vor, ebenso gebe es ein vom Bund gefördertes Projekt der Türkischen Gemeinde „Kultursensible sexuelle und geschlechtliche Vielfalt – Andrey ist anders und Selma liebt Sandra“. Am 6. Dezember will sich der Ausschuss bei einem gemeinsamen Termin über dieses Projekt informieren.

Das Kultusministerium habe zugesagt, so Lösch, die Auswertung und Nutzung solcher Studien zu überprüfen und den Stand dem Ausschuss mitzuteilen. Für September 2019 ist eine Reform der Fortbildungen für Lehrkräfte terminiert. „Der Ausschuss legt Wert darauf, diese Reform auf die Umsetzung der für den gesellschaftlichen Zusammenhalt so wichtigen Leitperspektive BTV hin gezielt zu überprüfen“, so Lösch. „Das Land darf die Lehrerinnen und Lehrer mit solchen sensiblen Fragestellungen nicht allein lassen.“

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