Landtagspräsidentin Muhterem Aras auf Gedenkstättenreise – Aras: “Wir müssen Geschichte ins Jetzt holen”

Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne) unternimmt am Montag und Dienstag, 23. und 24. Juli 2018, eine zweitägige „Gedenkstättenreise“ an fünf historische Orte beidseits des Rheins. „Erinnerungskultur prägt unsere Gesellschaft“, so die Präsidentin. „Die Gedenkkultur ermöglicht uns die Herleitung unserer Werte.“ Die fünf „Orte der Erinnerung“, die sie besucht, repräsentieren siebzig weitgehend von engagierten Bürgerinnen und Bürgern getragene Gedenkstätten, die in unterschiedlicher Form die Verfolgung jüdischer Mitmenschen in der Zeit des Nationalsozialismus im Gedächtnis halten: In Kippenheim, Emmendingen und Breisach, Haslach im Kinzigtal sowie im ehemaligen Konzentrationslager Natzweiler-Struthof im französischen Elsass.

„Je größer das Wissen darüber, wo wir herkommen, desto leichter fällt es uns, die Gegenwart zu verstehen und mit ihr umzugehen”, sagte Aras bei einer Festveranstaltung im Rathaus Emmendingen. Unsere Gesellschaft werde von Erinnerungskultur geprägt, der Holocaust wirke bis heute nach. Präsidentin Aras erteilte Forderungen nach einem „Schluss-Strich“ des Erinnerns, wie er auch schon von einem Abgeordneten im Landtag von Baden-Württemberg gefordert wurde, eine klare Absage. „Gerade ein so brutaler und tiefer Einschnitt wie der Holocaust ist eben kein Vogelschiss, den man vom glänzenden Lack ‚made in Germany‘ abwischen kann“, so Aras. An den Völkermord müsse schon deshalb stets erinnert werden, um die Grundlagen unseres Staatswesens hoch zu halten: das bald 70 Jahre alte, auf Toleranz, Offenheit und Individualrechte als Mittel gegen Rassismus und Ausgrenzung angelegte Grundgesetz.

Die Formen des Erinnerns seien entscheidend, wenn immer weniger Zeitzeugen Geschichte fassbar machen könnten. “Welche Formate brauchen wir, wenn niemand mehr da ist, der berichten kann, wie sich Hunger im Kriegswinter anfühlt oder die Freude, in Freiheit zu leben?” Die Digitalisierung biete hier Chancen.

Die Arbeitsreise der Landtagspräsidentin dient der Wertschätzung aller in der ehrenamtlichen Gedenkarbeit Engagierten. “Ich will raushören und mitnehmen: Wie kann ich sie unterstützen?”, so Aras zu Beginn der Reise. Die Frage stellte sie mehr als zwei Dutzend Frauen und Männern an den jeweiligen Lern- und Erinnerungsstätten.

Nach fünf Stationen zieht die Präsidentin Bilanz: “Die Einbeziehung der Schulen ist unglaublich wichtig. Es darf nicht nur von Zufällen und Einzelpersonen abhängen, ob und wie die Gegenwart vor dem Hintergrund der Geschichte reflektiert wird, wie es ein engagierter Pädagoge treffend ausdrückte.” Lehrerinnen und Lehrer seien mehr denn je aufgerufen, Geschichte ins Jetzt zu holen. Dazu bräuchten sie Schulung, Unterstützung und Haltung – nicht nur dann, wenn Geschichtsthemen im Bildungsplan stünden. 2011 beschloss der Landtag von Baden-Württemberg eine Verfünffachung der finanziellen Mittel für Gedenkstätten, jeder zweite Euro davon fließt in die pädagogische Vermittlungsarbeit. Aras zeigte sich beeindruckt vom Ideenreichtum der bürgergesellschaftlichen Lernorte als “begehbare Geschichtsorte” und versprach, sich für eine „zeitgemäße und mutige Gedenkkultur einzusetzen, die in die Klassenzimmer passt.“

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.