Der Hauskauf in Hardthausen des V-Mannes Tino Brandt

NSUDer Hauskauf in der Heilbronner Landkreis-Gemeinde Hardthausen durch einen vom Verfassungsschutz bezahlten Drahtzieher im rechten Lager war Gegenstand des baden-württembergischen Untersuchungsausschusses am vergangenen Montag.
Dort sagte nach der Mittagspause zunächst der Zwangsverwalter Gerhard Schmidberger über den dubiosen Kauf eines in der Zwangsversteigerung befindlichen Hauseas aus. Der frühere Eigentümer habe offensichtlich weiterhin versucht, mit Hilfe des V-Mannes Brandt seine Rechte an der Immobilie über den Versteigerungstermin hinaus zu erhalten.
Tino Brandt (40) war in den 1990er Jahren einer der aktivsten Akteure im nationalen Lager Thüringens. Er war Landesvizevorsitzender der NPD sowie Mitinitiator und Kopf des „Freie Kameradschafts”-Netzwerkes „Thüringer Heimatschutz” (THS). Er war aber auch seit 1994 unter dem Decknamen „Otto” einer der bestbezahlten V-Männer des Thüringer Verfassungsschutzes. Seine Enttarnung als V-Person sorgte schon im Mai 2001 bundesweit für Aufsehen, wiewohl er nicht als der Einzige eingeschleuste Drahtzieher in der rechten Szene gilt. Die Verbindungen wurden vom Verfassungsschutz zunächst bestritten. In der gesamten Zeit kassierte Brandt für seine Mitarbeit über 200.000 DM, das heißt wöchentlich etwa 800 DM Honorar.
Im Dezember 2014 wurde er schließlich wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen, Beihilfe zu sexuellem Missbrauch und Förderung von Prostitution in 66 Fällen zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.
Am 26. Januar 2012 schilderte Brandt vor der Bundesanwaltschaft bei einer Zeugeneinvernahme sein Verhältnis zu Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe, die im Verdacht stehen, den Kern der rechtsextremen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund gebildet zu haben, als das eines Boten.
Auch eine mögliche Verbindung zum Polizistenmord von Heilbronn, bei dem 2007 die ebenfalls aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt stammende Michèle Kiesewetter getötet wurde, war Gegenstand der staatsanwaltschaftlichen Überprüfung.
Während des NSU-Prozesses in München sagte Brandt aus, dass er vom Verfassungsschutz vor Polizei-Durchsuchungen gewarnt wurde. Des Weiteren habe ihm zu Beginn seiner Spitzeltätigkeit in den 1990er Jahren einer seiner V-Mann-Führer „regelmäßig“ Informationsmaterial zur Antifa-Szene gegeben.
Im Falle des Hardthausener Hauskaufs habe der frühere Eigentümer Herwig L. schon vor dem Zuschlag Tino Brandt vermutlich in Thüringen kennengelernt. Brandt habe dann vermutlich als Strohmann für die früheren Eigentümer fungiert, um zu verhindern, dass das Haus von anderen ersteigert werden konnte. Der Zeuge vermutet, daß Brandt das Haus vermutlich nie von innen gesehen hat, dennoch ließ er das Haus von den noch immer darin wohnenden früheren Eigentümer im Januar 2007 räumen, weil er sich“übervorteilt“ sah. Das Haus sei danach leergestanden.
Das Haus sei dann vom Zwangsverwalter Gerhard Schmidberger verkauft worden. Dieser habe dazu die Vollmacht von Brandt gehabt. Brandt sei froh gewesen das Haus wieder los gewesen, denn er hatte den Kaufpreis offenbar nie begleichen können, sondern nur die Anzahlung in Höhe von 16.000 Euro geleistet, die er für seine Strohmann-Tätigkeit vom früheren Eigentümer erhalten habe.
Nach seiner Zeugenvernehmung wird die Sitzung mit der Vernehmung der Ermittlers KHK F. des BKA fortgesetzt. Dieser bestätigte, daß Brandt das Geld für die geleistete Anzahlung von Herwig L. bekommen habe, mit der Zusage, auch den Rest noch zu bekommen. Brandt und der Voreigentümer hätten sich wohl auf einer Baustelle kennengelernt.
Im März 2012 sei im Zuge von Durchsuchungen wegen Bandenbetrugs gegen Tino Brandt auch das Haus in Harthausen überprüft worden.
Man wollte dabei herausfinden, ob am 25. April 2007 jemand „vom Trio“ das Haus genutzt habe. Es habe aber kein Abwasser mehr nach der Räumung gegeben und es gebe auch keine Hinweise auf eine Nutzung durch den NSU, so der Zeuge F., allerdings sei Brandt auch nicht zu dem Fall vernommen worden.
Genauso wenig konnte er etwas über den ehemaligen JN-Landesvorsitzenden Mike Layer, ein weiterer V-Mann mit Firma in Harthausen und dessen Kontakte nach Thüringen sagen. Auch seien keine Zeugen vom BKA in diesem Fall befragt worden.
Die Sitzung wurde darauf nichtöffentlich fortgesetzt.

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