Mordfall Kiesewetter: Spur 3740

logo-schlappiGleichsam einem Tatort-Krimi ist es großes Kino für die Mitglieder im Untersuchungsausschuß im Stuttgarter Landtag:

Wie beim Auftritt von Schauspielern nach der Premiere dürfen sie im Logenplatz den Berichten der vorgeladenen Zeugen lauschen. Und als wenig kompetente Laien dürfen sie den Experten dem zuhören, was diese ihnen sagen wollen. Auch Fragen dürfen gestellt werden. Nur: besonders den Horizont Erweiterndes kommt beim Kratzen an der Oberfläche dabei nicht heraus.
Da springt zwar das Eine oder Andere noch hervor, was selbst sich investigativ wähnende Journalisten übersehen haben, wie zum Beispiel, daß es in Heilbronn auch Zeugen gab, die Leute mit Nasenbluten gesehen haben, doch mehr ist das keinesfalls.
Es steht ja schon eindeutig fest, wer die Täter waren, man möchte nur noch seiner Neugier Genugtuung verschaffen, obwohl es keinerlei Beweise dafür gibt.
So läßt man sich nach dem Ortstermin in Heilbronn aber nicht nur die Spuren tendenziös präsentieren, sondern gibt sich auch mit der halben Wahrheit zufrieden. Keine Information erhielten die PUA-Mitglieder darüber, daß, wie hier bekannt, „vier Zeugen unabhängig voneinander zwischen 13.20 h und 13.50 h, zum Teil nur wenige Minuten vor dem Anschlag, an vier Stellen auf und an der Theresienwiese vier Streifenwagen gesehen haben. Kiesewetter und Arnold waren zu den Zeitpunkten noch nicht am späteren Tatort. …“
Was suchten gleich vier Streifenwagen an diesem Ort? Warteten sie auf ein Ereignis?
Nicht weniger Interesse besteht bei den Zeitungsmachern. Genauso ahnungslos machen sie aus den ermittelten Nasenblutern jene unbekannt gebliebenen Verdächtigen, die an ganz anderen Orten von ganz anderen Zeugen teils blutverschmiert gesehen wurden. Die Zeugen, die sich allesamt nichts voneinander gewußt haben, hätten sich widersprochen, wird dann schön zur Journalistenstory passend am falschen Bild weitergestrickt.
So werden als Transmissionsriemen die jeweils aktuellen offiziellen „Ermittlungsergebnisse“ der auf Weisung ermittelnden Polizeiführer gerne weiter kolportiert. Bekanntlich rotierten diese ganz im Stile des „Bäumchen-wechsle-Dich“.
Man will ja weder bei der Journaille noch im PUA BW „NSU-Leaks“ kennen, wiewohl der „NSU“-Bundestagsausschuß auf Hinweis eines der wenigen sein Mandat uneigennützig ernst nehmenden Abgeordneten Wolfgang Bosbach dessen Existenz zur Kenntnis nehmen mußte.
Dort werden kompetente und ernüchternde Fragen vom dem sich nach Südostasien abgesetzten Whistleblower zu vorliegenden Unterlagen gestellt und keinesfalls grundlos auch ganz andere Rückschlüsse zu ganz anderen Zusammenhängen gezogen.
Ein gelegetlicher Blick in die dort präsentierten Dokumente
wäre vielleicht ein wenig hilfreich.
Denn auch der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion war schon einmal auf der richtigen Spur, man hat dann aber, wiewohl gleich reihenweise V-Leute bekannt geworden sind, von ihm nicht mehr viel dazu gehört.

Warum?
Und was wurde aus der „Spur 3740“ mit der Beschreibung des Tatherganges durch einen Zeugen, der noch lange vor dem offiziellen Bekanntwerden der „Zwickauer Terrorzelle“ seine Beobachtungen im Rahmen eines 10-Kilo-Heroin-Geschäftes zur Tatzeit des Polizistenmordes auf der Theresienwiese zu Protokoll gegeben hat.

Vielleicht kommt im PUA BW jemand auf die Idee, auch diesen Zeugen – neben anderen – aufmarschieren zu lassen?
Unterdessen gehen ja die Ungereimtheiten im Fall der in Heilbronn getöteten Polizistin Michèle Kiesewetter einfach weiter: Jetzt ist „eines der wichtigsten Beweismittel“ verschwunden, nämlich das Mobiltelefon von Forian Heilig, der unmittelbar vor seiner Zeugenaussage auf dem Weg zur Stuttgarter Polizei durch Verbrennen ums Leben kam.
Eine völlig verschwommene Angelegenheit ist im Übrigen auch die Tatsache, daß – ohne daß die Heilbronner Tat auch nur ansatzweise aufgeklärt ist – bereits hohe Beträge aus dem Belohnungstopf ausgezahlt wurden. Weder sind die Gründe und die Höhe noch die Empfänger bekannt.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.