Fünfter Jahrestag des Amoklaufs von Winnenden und Wendlingen

Regierungspräsident Johannes Schmalzl wirbt für freiwillige Waffenabgabe

Rund 166.000 Waffen weniger sind ein Mehr an Sicherheit für Alle! Ich appelliere an alle, die sich Gedanken über ihre Waffe machen, diese Waffe bei den zuständigen Behörden abzugeben!

„Auch nach 5 Jahren bleibt der Amoklauf von Winnenden und Wendlingen eine Verpflichtung, der wir uns zu stellen haben“, betonte Regierungspräsident Johannes Schmalzl bei der Vorstellung der aktuellen Zahlen der Waffenvernichtung des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Baden-Württemberg (KMBD), der beim Regierungspräsidium Stuttgart angesiedelt ist. „Es ist äußerst positiv, dass die schon Ende März 2009 ergangenen Aufrufe zur freiwilligen Waffenrückgabe landesweit bis heute reichlich Früchte tragen“, erläuterte Schmalzl mit Blick auf die Bilanz: „Aber auch nach zwischenzeitlich rund 166.000 zurückgegebenen und vernichteten Waffen bleibt der Aufruf zur freiwilligen Rückgabe von Waffen genau so aktuell wie die Durchführung konsequenter Kontrollen durch die Waffenbehörden angesichts zahlreicher Verstöße gegen die gesetzlich verschärften Aufbewahrungspflichten bei Waffenbesitzern“, bekräftigte der Regierungspräsident. Die Aussage, dass jede Waffe weniger ein Mehr an Sicherheit für alle bedeute, bestätige sich leider immer wieder, so Schmalzl, der daher erneut an alle appellierte, die sich derzeit erneut über ihre Waffen Gedanken machten, diese Waffe bei den zuständigen Behörden abzugeben.

Zu den Zahlen der Waffenrückgaben und -kontrollen im Einzelnen:

– Das Regierungspräsidium Stuttgart hat im Jahr 2009 durch den KMBD rund 92 Tonnen landesweit zurückgegebene Waffen vernichtet. Während es in den zweieinhalb Monaten bis zum Amoklauf lediglich etwa 2 Tonnen waren, wurden beispielsweise allein im Rekordmonat Oktober 2009 rund 19 Tonnen angeliefert und vernichtet. Dagegen waren es im gesamten Jahr 2008 rund 18 Tonnen, im Jahr 2007 rund 11 Tonnen Waffen, in früheren Jahren noch weniger. Eine Tonne entspricht dabei in etwa rund 600 Waffen. Insgesamt wurden 2009 also rund 55.000 Waffen – sowie auch viel Munition – aus dem Verkehr gezogen und entsorgt. Aufgrund der regen Beteiligung musste der KMBD im Regierungspräsidium Stuttgart damals sein Verfahren umstellen: Die Waffen werden seither beim KMBD ausgeglüht und dadurch unbrauchbar gemacht. Dann werden die Reste zu einem Hochofen im Land verbracht und eingeschmolzen. Das gewonnene Metall wird als Baustahl verwendet. Im Folgejahr 2010 wurden dann immer noch insgesamt knapp 90 Tonnen (umgerechnet 54.000) Waffen vernichtet. In 2011 waren es dann noch insgesamt 35 Tonnen, umgerechnet rund 21.000 Waffen. In 2012 wurden rund 24,6 Tonnen Waffen vernichtet, also umgerechnet 15.000 Waffen. Im Jahr 2013 kamen noch einmal 32 Tonnen, also 19.000 vernichtete Waffen dazu. In diesem Jahr (2014) sind es bereits 3 Tonnen (1800 vernichtete Waffen). Im Ergebnis wurden also seit März 2009 bis heute landesweit rund 166.000 Waffen zurückgegeben und vernichtet, was einen Rückgang von etwa 18 Prozent der Anfang 2009 noch rund 900.000 im Land registrierten Waffen entspräche.

– Seit der Novellierung des Waffengesetzes im Juli 2009 dürfen die Waffenbehörden bei den Waffenbesitzern die Aufbewahrung von Schusswaffen und Munition kontrollieren, auch wenn kein Verdacht auf eine nicht ordnungsgemäße Aufbewahrung besteht. Seither führen die 49 Waffenbehörden der Stadt- und Landkreisen sowie Großen Kreisstädte im Regierungsbezirk Stuttgart bei den rund 50.000 Waffenbesitzern mit knapp 258.000 erlaubnispflichtigen Schusswaffen Kontrollen durch. Dabei müssen immer wieder Mängel beanstandet werden – und zwar insbesondere bei der korrekten Aufbewahrung von Waffen und Munition.

Hintergrund
Der KMBD BW ist für die Vernichtung der Waffen in ganz Baden-Württemberg zuständig. Freiwillige Waffenrückgaben waren in früheren Jahren eher selten, gelegentlich wurden im Nachlass gefundene Waffen den Behörden übergeben. Ansonsten werden Waffen regelmäßig anlassbezogen von Gerichten oder Behörden eingezogen, unter anderem aufgrund von Straftaten oder weil begründete Zweifel an der Zuverlässigkeit der Waffenbesitzer bestehen. Hauptaufgabe der rund 30 Beschäftigten ist seit Kriegsende die Beseitigung von Waffen- und Sprengstofffunden aus den Weltkriegen, wofür jährlich rund 1000 Einsätze landesweit notwendig sind.

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