Heimatpflege

Arbeitskreis Heimatpflege zeichnet ehrenamtliches Engagement aus

Regierungspräsident Johannes Schmalzl: „Nur wer fest in seiner eigenen kulturellen Identität – und damit Heimat – verankert ist, wird die Herausforderungen unserer Zeit und ihre Unwägbarkeiten meistern“

Regierungspräsident Johannes Schmalzl und die Vorsitzende des Arbeitskreises Heimatpflege, Friedlinde Gurr-Hirsch MdL, haben am heutigen Montagabend, 22. April, im Saal des Adolph-Kolping-Gemeindezentrums in Heilbronn-Kirchhausen gemeinsam die Ehrennadel des Arbeitskreises Heimatpflege im Regierungsbezirk Stuttgart an Personen verliehen, die sich in besonderer Weise um die Heimatpflege verdient gemacht haben.

„Jeder Mensch braucht eine Heimat, das Gefühl, Halt zu haben in einer in rasantem Tempo sich entwickelnden Welt. Nur wer fest in seiner eigenen kulturellen Identität – und damit Heimat – verankert ist, wird die Herausforderungen unserer Zeit und ihre Unwägbarkeiten meistern“, so der Regierungspräsident. „Ohne Ihre freiwillige ehrenamtliche Arbeit wären wir um ein Stück unserer Kultur ärmer. Ihr Engagement aber wirkt identitätsstiftend und dient der Vermittlung dessen, was für uns Heimat bedeuten kann.“

In diesem Jahr zeichnet der Arbeitskreis Heimatpflege im Regierungsbezirk Stuttgart e.V. zum wiederholten Mal Personen aus, die sich auf lokaler oder regionaler Ebene auf vielfältige Weise in der Heimatpflege besonders engagiert haben. „Jedes Jahr wird uns eine große Anzahl an Personen vorgeschlagen, die für die Auszeichnung mit der Ehrennadel des Arbeitskreises in Frage kommen, und die Auswahl ist immer sehr schwer“, so Schmalzl.

Die in diesem Jahr verliehene Auszeichnung erhielten Renate Wolf, Langenau, Ludmilla Holzwarth, Waiblingen, Petra Mayer, Ellwangen, Gottfried Bauer, Bietigheim-Bissingen und Joachim Hetzel, Heilbronn-Kirchhausen.

Hinweis für die Pressevertreter:
Für Rückfragen steht Ihnen als Ansprechpartnerin Nadine Hilber, Pressereferentin, unter der Telefonnummer 0711/904-10002 gerne zur Verfügung.

Anlage: Informationen zu den Preisträgern
Renate Wolf bringt sich mit großem Engagement in der Vermittlung und Weitergabe lokaler und regionaler Traditionen innerhalb des LandFrauenvereins Langenau sowie in Kooperation mit den Kirchen und anderen Organisationen ein. In ihrer Zeit als Ortsvorsitzende baute Renate Wolf in den letzten 12 Jahren die Mitwirkung an regionalen Festumzügen und Chorauftritten aus.
Sie setzte sich dafür ein, dass das 40-jährige Bestehen des LandFrauenvereins Langenau mit Nerenstetten und Wettingen mit einer ansprechenden Jubiläumsveranstaltung begangen und eine gedruckte Vereinschronik erstellt wurde.
Ein besonderes Anliegen war die regelmäßige Durchführung der Stimmbildungsseminare. Die Besonderheit des Langenauer LandFrauenchores besteht darin, dass die Chormitglieder den Anlässen entsprechend auch in der evang. Festtagstracht der Ulmer Alb auftreten.
Mit dem Ausbau der Gruppe „Vom Flachs zum Leinen“ beteiligte sich der LandFrauenverein Langenau unter Leitung von Frau Wolf an der 1000-Jahr-Feier der Gemeinde Langenau im Jahr 2003. Dabei inszenierte sie zusammen mit weiteren Vereinsmitgliedern eine Kunkelstube. Bei den Heimattagen bereichern die Frauen mit ihren traditionellen Trachten die Festumzüge.
Als Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft ist Renate Wolf insbesondere die Mitgestaltung des Erntedanksonntages mit der Ausgestaltung der evangelischen Martinskirche ein besonderes Anliegen, um im Erzeuger-Verbraucher-Dialog gerade an diesem Fest zu vermitteln, was ein landwirtschaftlicher Betrieb braucht, um die Vielfalt der Nahrungsmittel zu produzieren. Bei dem 2011 verbandsweit eingeführten Leitthema „Leben ist mehr wert“ brachte Renate Wolf aus ihrer beruflichen Erfahrung heraus wesentliche Impulse für die Jahresthemen „Unsere Nahrung wertgeschätzt“ und „Essen schafft Gemeinsamkeit“.
Um Kindern Landwirtschaft und Erzeugung von Lebensmitteln näher zu bringen, lud sie schon vor Jahren Schulklassen und Kindergartengruppen in ihren Betrieb ein. Seit 2009 ist Renate Wolf im Netzwerk „IG Bauernhof erleben“ aktiv, in dem Bildungsangebote für Schüler und Erwachsene entwickelt und umgesetzt werden.

Ludmilla Holzwarth wurde kurz nach ihrem 9. Geburtstag im Oktober 1943 in den damaligen Warthegau umgesiedelt. Nach der Einbürgerung in Łódź (seinerzeit Litzmannstadt) wurden die Familienmitglieder in einem Aufnahmelager bei Wien untergebracht, mussten aber als deutsche Staatsbürger nach dem Krieg Österreich verlassen
Frau Holzwarth ist seit 57 Jahren in der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland aktiv. Ihre landsmannschaftlichen Aktivitäten begannen bereits 1954 in der Ortsgruppe Stuttgart mit regelmäßigen Sprechstunden für die Landsleute.
2 Jahre später gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Landesgruppe Baden-Württemberg und wurde zusammen mit weiteren Mitgliedern in den ersten Landesvorstand gewählt.
1956 war sie dabei, als sich die baden-württembergischen Ortsgruppen Backnang, Ulm und Schwäbisch Gmünd konstituierten. 1957 zog sie nach Berlin und schied daher aus dem Landesverband aus.
In der Verbandszeitung „Volk auf dem Weg“ tauchte ihr Name 1978 als Vorstandsmitglied der Kirchlichen Gemeinschaft in Bad Sooden-Allendorf wieder auf.
In den 1980er Jahren war Ludmilla Holzwarth wieder da wo ihr zweites Leben begonnen hatte, in Stuttgart und zwar in allen Bereichen: familiär, hauptberuflich und ehrenamtlich.
In den Jahren von 1987-1995 wurde sie als ehrenamtliche Richterin an das Verwaltungsgericht und an das Landgericht in Stuttgart berufen.
Auch in und für die Landsmannschaft erfüllte sie eine Vielzahl von Aufgaben und erfüllt diese zum Teil bis heute:
• Unterstützung ihres Mannes als Vorsitzender der Stuttgarter Orts- und Kreisgruppe
• Vorsitzende der Orts- und Kreisgruppe seit 1997
• Mitglied der Jury für den Russlanddeutschen Kulturpreis von Baden-Württemberg, dem
• Patenland für die Landsmannschaft
• Stellvertretende Vorsitzende der Landesgruppe Baden-Württemberg seit 2005.
Im Bereich des Landesverbandes des Bundes der Vertriebenen ist sie seit vielen Jahren ein aktives Mitglied des Landesvorstandes.

„Mit dem alltäglichen Geschehen etwas Gutes tun können“, lautet das Motto der „Eggenroter Hausfrauen“. Hinter dieser Bezeichnung verbergen sich die 11 Mitglieder des Frauentreffs Eggenrot, die seit 2007 mit zahlreichen Auftritten über 100.000 Euro für wohltätige Zwecke eingespielt haben.
Kopf der Truppe ist Petra Mayer, welche die Gruppe damals ins Leben gerufen hat und die als Ideengeberin, Textschreiberin und Organisatorin dafür sorgt, dass die Erfolgsgeschichte dieser mittlerweile weit über Ellwangen hinaus bekannten Gruppe weitergeht.
Überall, wo die quirlige Truppe um Petra Mayer bisher aufgetreten ist, waren die Hallen und Säle bis auf den letzten Platz besetzt. Die wichtigste Zutat zum Erfolgsrezept der Eggenroter Gruppe ist ohne Frage die Begabung von Frau Mayer, im Alltag ganz genau hinzuschauen und die dabei beobachteten Situationen bühnenreif aufarbeiten zu können. Dabei regiert nicht nur vordergründiger Humor, sondern hat auch der Tiefsinn eine Chance. Selbstredend ist dabei natürlich, dass die Eggenroter Hausfrauen so schwätzen, wie ihnen ihre schwäbische Gosch gewachsen ist. Auf dem kabarettistischen Vesperteller wird alles serviert, was zu einem unterhaltsamen schwäbischen Abend dazugehört.
Mit ihrer „Schwäbischen Kleinkunst nach Eggenroter Hausfrauenart“ ist die Gruppe schon beinahe überall aufgetreten.
Schon stehen auch das Programm bzw. die Auftritte bis zum Herbst 2013. Ans Aufhören denkt Petra Mayer noch lange nicht: „Solange die Menschen über uns und mit uns über das alltägliche Leben lachen können, solange werden wir für die Menschen auch spielen.“
Dass sie mit ihrem Engagement auch den richtigen Ton innerhalb der Truppe trifft, beweist das großartige Zusammengehörigkeitsgefühl der Eggenroter Hausfrauen.
Die „Schwäbische Kleinkunst nach Eggenroter Hausfrauenart“ ist aus dem Eggenroter Frauentreff hervorgegangen, den Petra Mayer 1997 ebenfalls ins Leben gerufen hat. Hier leisten neben den Mitgliedern der Kabarettgruppe weitere 22 Frauen aus und um Eggenrot wichtige Gemeindearbeit. So engagieren sich die Eggenroter Hausfrauen u. a. auch für die Arbeiten der Kirchengemeinde St. Patrizius, wobei die Gruppe allerdings nicht konfessionell gebunden ist. Weiter engagiert sich Frau Mayer als Lektorin in der Kirchengemeinde. Seit 2010 ist sie überdies Vorsitzende des Vereins „Landwirtschaftliche Fachbildung im Ostalbkreis“.

Auch einige Jahre nach seinem Rückzug aus der „ersten Reihe“ des Vereins Stuttgarter Historische Straßenbahnen e.V. verkörpert Gottfried Bauer noch immer die langjährigen, aber erfolgreichen Bemühungen um die Errichtung eines Straßenbahnmuseums in Stuttgart.
In der Anfangszeit lag sein Augenmerk insbesondere darauf, von den letzten zur Verschrottung anstehenden Fahrzeugen aus der Frühzeit der elektrischen Straßenbahn zumindest einen Vertreter zu sichern und dauerhaft zu bewahren. Dies war in der Bundesrepublik des aufblühenden Wirtschaftswunders kein leichtes Unterfangen, sah man doch in diesen Fahrzeugen in erster Linie vor allem den „alten Gruscht“, der besser heute als morgen von den Gleisen und aus dem Stadtbild verschwinden sollte und dem man keinerlei historischen Wert beimaß.
In zäher Überzeugungsarbeit und mit viel persönlichem Engagement gelang es Gottfried Bauer und seinen Mitstreitern allmählich schließlich maßgebliche Stellen der Stuttgarter Straßenbahnen AG vom Sinn dieser Art der Pflege des historischen Erbes zu überzeugen.
Nach und nach gelang es, einzelne Fahrzeuge zu sichern, und zum 100. Jubiläum der SSB im Jahre 1968 wurde der erste Einsatz eines „historischen Straßenbahnwagens“, des Triebwagens 222 von 1904, zu einem von der Unternehmensleitung unerwarteten großen Erfolg mit durchweg positiver öffentlicher Resonanz.
Am 29.04.1989 eröffnete in einer alten Wagenhalle in Gerlingen das erste Stuttgarter Straßenbahnmuseum, in dem nicht nur die in ehrenamtlicher Tätigkeit restaurierten historischen Straßenbahnfahrzeuge aus Stuttgart und der näheren Umgebung präsentiert werden, sondern auch anhand zahlreicher Sachzeugen umfassende Bezüge zur Stadtgeschichte und anderen Bereichen des Alltagslebens hergestellt werden konnten.
Durch das unermüdliche Engagement von Herrn Bauer konnte bald ein neues, deutlich größeres und besser geeignetes Museumsdomizil bezogen werden. So konnte man 1995 das Straßenbahnmuseum Zuffenhausen der Öffentlichkeit übergeben das von mehr als 100.000 Menschen besucht wurde.

Joachim Hetzel engagiert sich in Heilbronn-Kirchhausen maßgeblich für die natur- und heimatkundlichen Belange seines Lebensumfelds.
Von 1982-1985 besuchte Herr Hetzel beim Staatl. Forstamt Gundelsheim eine Ausbildung zum Forstwirt. Begleitend dazu besuchte er das forstliche Ausbildungszentrum
Mattenhof in Gengenbach. Nach der Ausbildung führte ihn sein Berufsweg ins Forstamt Gundelsheim. Aus verschiedenen Gründen kehrte er der Pflege von Natur und Heimat den Rücken und wechselte als Polsterwarenzuschneider zur Audi AG in Neckarsulm.
1993 kehrte er als Forstwirt zurück und begann das jetzige Arbeitsverhältnis bei der Stadt Heilbronn als Waldarbeiter. Durch einen tragischen Unfall konnte er diese Tätigkeit nicht mehr ausführen. Nach seiner Genesung ist er als Baumkontrolleur beim städtischen Grünflächenamt unterwegs. Sein ganzes Augenmerk lag schon immer auf der Bewahrung, Erhaltung, Pflege, Würdigung und Wertschätzung der Natur.
In seiner Freizeit engagiert er sich ehrenamtlich in vielfältiger Weise für die Heimatpflege. Seine große Leidenschaft gilt jedoch seinem Heimatort Kirchhausen. So initiierte und koordinierte er eine gemeinsame Aktion der Bürgerschaft von Kirchhausen, mit dem Ziel beim Naturdenkmal St. Annalinde eine kleine Kapelle zu errichten. Dies ist ihm auch gelungen – die Kapelle wurde im Juli 2012 eingeweiht. Die Restaurierung und Sicherung von Grenzsteinen ist für ihn ebenso ein Betätigungsfeld wie das Veranstalten von Führungen und die Begleitung von Ausflügen des Schwäbischen Heimatbundes.
Herr Hetzel hat außerdem Pflanzungen einer ganz besonderen Eichenart vorgenommen und die Anpflanzung von Mandelbäumen am Südhang des Ziegelhains initiiert und maßgeblich umgesetzt. Er organisierte die Restaurierung von historischen Wandteppichen und Fahnen in der St. Alban Kirche in Kirchhausen. Nach der gelungenen Restaurierung hat er eine Wallfahrt organisiert und ist mit einer Gruppe nach Walldürn gepilgert, um die Fahnen dort weihen und segnen zu lassen. Das Engagement von Herrn Hetzel ist für seine Heimat vorbildlich und geht über die vorgenannten Beispiele weit hinaus. Viele dieser Aufgaben können von öffentlicher Seite gar nicht wahrgenommen werden, weil weder Personal noch finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.

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