Mutmaßlicher Mädchenhändler-Clan ausgehoben

Am 23. Oktober 2012 durchsuchten rund 150 Einsatzkräfte 14 Wohnungen in Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen. Die Maßnahmen richteten sich gegen 22 Personen, darunter vier Frauen, im Alter von 18 bis 60 Jahren.

Am 23. Oktober 2012 durchsuchten rund 150 Einsatzkräfte 14 Wohnungen in Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen. Auch in Frankreich (Valdahon, Maiche und Nancy) sowie in Belgien wurden Wohnungen durchsucht. Die Maßnahmen im Bundesgebiet richteten sich gegen 22 Personen, darunter vier Frauen, im Alter von 18 bis 60 Jahren, gegen die die Staatsanwaltschaft Konstanz unter anderem wegen des Verdachts des Menschenhandels, der Körperverletzung, Vergewaltigung und Freiheitsberaubung Ermittlungsverfahren eingeleitet hat. An der Aktion unter Leitung des LKA waren auch die Polizeidirektion Konstanz, Einheiten der Bereitschaftspolizei und Einsatzkräfte der betroffenen Bundesländer beteiligt. Im Raum Singen wurden vier Hauptverdächtige, gegen die die Staatsanwaltschaft Konstanz zuvor Haftbefehl erwirkt hatte, festgenommen.

Bereits im September 2011 wurde die Polizei auf einen aus dem Kosovo stammenden Familienclan aufmerksam. Bei einer Wohnungsdurchsuchung im Landkreis Konstanz war ein 15-jähriges Mädchen angetroffen worden, dass aus Angst zunächst angab, sich freiwillig bei der Familie aufzuhalten. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich dann allerdings heraus, dass das Mädchen gegen seinen Willen dort festgehalten, körperlich misshandelt, bedroht sowie gewaltsam mehrfach zum Geschlechtsverkehr gezwungen worden sein soll.

Weitere Feststellungen der gemeinsamen Ermittlungsgruppe der Polizei Konstanz und des LKA erhärteten den Verdacht, dass Angehörige dieser Familie in der Vergangenheit rund 50 Mädchen und junge Frauen illegal über Italien und Frankreich nach Deutschland oder in das benachbarte Ausland, z. B. nach Frankreich und Belgien oder nach Skandinavien brachten. Die Opfer, die überwiegend aus dem Kosovo und anderen Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien stammen, werden nach Erkenntnissen der Ermittler mit falschen oder missbräuchlich verwendeten Personaldokumenten anderer Clan-Mitglieder in die Zielstaaten eingeschleust. In der aufnehmenden Familie werden sie dann unter Ausnutzung ihrer Hilflosigkeit und fehlender sozialer Bindungen gefangen gehalten und ohne Entlohnung „sklavenartig“ als Hauspersonal gehalten. Die Wohnung dürfen sie nur unter Bewachung von Familienangehörigen verlassen.

Bei den Durchsuchungen in mehreren Bundesländern sowie in Frankreich und Belgien wurde im Kreis Esslingen ein 14-jähriges Mädchen angetroffen, das nach nach eigenen Angaben gegen seinen Willen festgehalten wurde. Es kam in die Obhut einer
Opferschutzorganisation. Außerdem wurden umfangreiche Beweismittel, darunter rund 27.000 Euro Bargeld sowie mehrere PC und Notebooks sowie Datenträger sichergestellt, die nun auszuwerten sind. Die Festgenommenen wurden dem zuständigen Haftrichter
vorgeführt, der die Haftbefehle in Vollzug setzte.

In Baden-Württemberg erfolgten Durchsuchungen in den Kreisen Konstanz und Esslingen sowie im Rems-Murr-Kreis, Stuttgart und in Heidelberg. In Hessen wurden zwei Wohnungen, in Niedersachen eine Wohnung durchsucht.

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