Kernkraftwerke überprüft

Ergebnisbericht zur Überprüfung der baden-württembergischen Kernkraftwerke vorgelegt

Erkenntnisse werden in die auf Bundesebene laufende Beratungen der Reaktorsicherheitskommission eingespeist

06.05.2011Die nach den Ereignissen in japanischen Kernkraftwerken von der Landesregierung am 14. März dieses Jahres eingesetzte unabhängige Expertenkommission hat heute (6. Mai 2011) in Stuttgart ihren Ergebnisbericht vorgelegt. „Der Bericht gibt wertvolle Hinweise für die aktuell deutschlandweit laufenden Sicherheitsüberprüfungen der Kernkraftwerke“, so der Amtschef des Umweltministeriums, Ministerialdirektor Bernhard Bauer.

In einem ersten Schritt seien von dem fünfköpfigen Expertengremium die Geschehnisse in den Kernkraftwerken am Standort Fukushima analysiert worden. Danach sei insbesondere geprüft worden, in welchem Umfang die Kernkraftwerke in Baden-Württemberg Sicherheitsreserven in Bezug auf die für die Ereignisse in Japan maßgeblichen Faktoren haben. Die Experten nahmen dazu die Bereiche “getroffene Vorsorge gegen Erdbeben“, „sichere elektrische Energieversorgung am Standort“, „Möglichkeit die Restwärme immer sicher abzuführen“, „Unabhängigkeit der Infrastruktur am Standort“ und die „Durchführbarkeit von Notfallmaßnahmen“ unter die Lupe. Dabei sind Szenarien unterstellt worden, die über die bisher gesetzlich gestellten Anforderungen hinausgehen. „Auf dieser Grundlage konnten die an den Kraftwerksstandorten in Baden-Württemberg geltenden Sicherheitsstandards und Auslegungen hinterfragt und Hinweise für eine weitere Optimierung der Sicherheitspuffer ausgearbeitet werden“, so Bauer. Die Ergebnisse würden nun in die auf Bundesebene laufenden Beratungen der Reaktorsicherheitskommission (RSK) eingespeist. „Baden-Württemberg unterstützt damit die derzeit laufenden Beratungen in der RSK. Die Hinweise der Experten zeigen Potentiale auf um die Sicherheitsreserven der Anlagen noch weiter auszubauen.“

Im Ergebnis bescheinigten die Experten den Kernkraftwerken in Neckarwestheim und Philippsburg in anlagenspezifisch unterschiedlichem Umfang Sicherheitsreserven, die über das gesetzlich geforderte Maß hinausgehen. Zudem sei festgestellt worden, dass die in den baden-württembergischen Kernkraftwerken realisierten Sicherheitsstandards beispielsweise in den Bereichen „Vorsorge gegen Überflutungen“ oder im Bereich der „sicheren Energieversorgung“ deutlich über denen in Fukushima liegen. Vor dem Hintergrund der Ereignisse in Japan und dem Zusammenwirken verschiedener Störungen gaben die Experten Hinweise zur weiteren Erhöhung des Sicherheitsniveaus. So sollten bestehende Sicherheitsreserven wie beispielsweise die höhere Batteriekapazität konkret bestimmt und ausgewiesen werden. Batterien werden vorgehalten um bei einem Abbruch der externen Stromversorgung die Zeitspanne bis zum Aufbau der internen Versorgung zu überbrücken. Außerdem sollten nach den Vorschlägen der Experten bestehende Auslegungen der Anlagen zum Beispiel im Hinblick auf die Erdbebensicherheit anhand neuerer Modelle abgesichert werden. „Die Erdbebensimulationsmodelle wurden in den vergangenen Jahren weiter verfeinert“, so Bauer. Darüber hinaus solle analysiert werden, ob alle Personal- und Transportbewegungen auch unter den Bedingungen einer länger anhaltenden Überflutung des Anlagengeländes beispielsweise nach einem Hochwasser möglich sind. „Es ist ein ganzes Bündel an Hinweisen, die nun weiter vertieft werden müssen“, so Bauer.
Der Umfang der von der Expertenkommission untersuchten Fragestellungen wie auch die zeitliche Bearbeitung seien an den Überprüfungsprozess der Reaktorsicherheitskommission (RSK) angepasst worden, erläuterte Bauer. „Das auf drei Monate befristete Moratorium für die älteren Kernkraftwerke wie Neckarwestheim I und Philippsburg 1 gab den Zeitrahmen vor. Es war uns deshalb wichtig, die Erkenntnisse der Expertenkommission Baden-Württemberg möglichst rasch auch in die Beratungen der RSK einzubringen. Das fügt sich nun gut in den Zeitrahmen ein.“ Die ursprünglich vorgesehene dritte Stufe der Arbeiten der Expertenkommission, in der die Risikovorsorge überprüft werden sollte, werde nun im Rahmen der RSK-Untersuchungen betrachtet um unnötige Doppelarbeit zu vermeiden. Nach den Planungen der Bundesregierung solle die Reaktorsicherheitskommission bis zum 15. Mai einen ersten Zwischenbericht ihrer Arbeit vorlegen.

Der Expertenkommission Baden-Württemberg gehörten an:

  • Herr Dipl.-Ing. Klaus-Dieter Bandholz (Geschäftsführer der ESN Sicherheit und Zertifizierung GmbH),
  • Herr Prof. Dr. Hans Dieter Fischer (Ruhr-Universität Bochum – Lehrstuhl Nachrichtentechnik),
  • Herr Dr. Gottfried Grünthal (Leiter der Sektion Erdbebengefährdung und Spannungsfeld am deutschen GeoForschungsZentrum in Potsdam),
  • Herr Dr. Erwin Lindauer (ehemals Geschäftsführer der Kraftwerks-Simulator-Gesellschaft mbH und der Gesellschaft für Simulatorschulung mbH) und
  • Herr Dipl.-Ing. Michael Sailer (Sprecher der Geschäftsführung des Öko-Instituts, Vorsitzender der Entsorgungskommission).

Die Mitglieder des unabhängigen Gremiums sind auf ihren Fachgebieten anerkannte Experten und mit dem Gebiet der Reaktorsicherheit vertraut. Der Ergebnisbericht ist auf den Internetseiten des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr unter www.uvm.baden-wuerttemberg.de veröffentlicht.

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